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Situation in Georgien

 
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S1lv3R



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BeitragVerfasst am: 01.10.2006, 22:30    Titel: Situation in Georgien

Wie ihr ja alle wisst ist Georgien seit 1991 unabhängig von Moskau, seitdem versucht die georgische Politik sich immer weiter von Russland zu distanzieren. Beitritt in die NATO sowie die UN, Unterstützung der Politik von George W. Bush (850 Soldaten im Irak) etc. Russland auf der Gegenseite unterstützt Bewegungen in den Regionen Abchasien, Südossetien und Adscharien die ihrerseits ihre Unabhängigkeit von Georgien haben, zudem hat Russland dort eigenes Militär stationiert.
In letzter Zeit eskaliert diese Situation immer mehr.

Jetzt zu meiner Frage:
In wie weit seit ihr mit der Politik Russlands einverstanden oder unterstützt sie sogar?
Glaubt ihr, dass diese Politik wirklich durchdacht ist und langfristig positive Auswirkungen für Russland haben kann?

Nachrichtenmeldungen zu diesem Thema:
http://russlandonline.ru/georgien/morenews.php?iditem=1197
http://russlandonline.ru/georgien/morenews.php?iditem=1196
Weitere Threads aus dem Archiv zum Thema:
http://www.russland-online.org/thema-anzeigen---szenario-wie-russland-georgien-annektieren-koennte-t695.html
http://www.russland-online.org/thema-anzeigen---russland-lehnt-abzug-aus-georgien-ab-t887.html
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Thomas



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BeitragVerfasst am: 04.10.2006, 22:49    Titel:

Da hast du ja einiges recherchiert. Das hier geschilderte Szenario klingt interessant, denn die ersten Absätze sind ja tatsächlich Realität. Aber abgesehen davon halte ich es für nicht wahrscheinlich, so ein Ereignis würde in der heutigen Zeit von niemandem akzeptiert.



Ich habe die Entwicklung Russland/Georgien in den letzten Tagen nicht eingehend verfolgen können, da ich kein Internet hatte, und in den Zeitungen steht ja nicht so viel darüber. Aber von dem, was man mitkommt, muss man sich schon an den Kopf fassen.

Erstens ist Georgiens Vorgehen fragwürdig. Vielleicht haben diese Offiziere wirklich Dreck am Stecken, aber es ist doch klar, dass in diesen abtrünnigen Gebieten, die sich in einem politischen Schwebezustand befinden, generell Kriminalität und allerlei übles Gesindel anzutreffen sein werden. Inwiefern auf politischer Ebene zwischen den beiden Staaten Spionage usw. betrieben wird, weiß ich nicht, aber an den entstandenen Spannungen, die dem zugrunde liegen, ist Georgien durch den von Silver zitierten beabsichtigten Nato-Eintritt - um ein Beispiel zu nennen - alles andere als unschuldig.

Zweitens ist Russlands Reaktion einfach schwachsinnig. Putin bedient sich da Instrumenten, die an das Zeitalter des Imperialismus vor 100 Jahren erinnern. Was will er denn erreichen, indem er eine Blockade aufbaut? Das sind rein populistische Maßnahmen, die dem russischen Nationalismus zwar gefallen mögen, die aber Russland erheblichen Schaden zufügen. Manchmal frage ich mich, ob die russische Führung wirklich - wie man auf den ersten Blick annehmen kann - zu dumm ist, um zu begreifen, wie sehr sie mit dieser Art Außenpolitik die Schwächung Russlands betreibt, oder ob sie das Land absichtlich schwächt, um im Inneren bestimmte Bevölkerungsgruppen an sich zu binden.
Denn außer Frage steht, wer der Profiteur der aktuellen Situation ist, die sich so unterschiedslos in die Fehler der russischen Außenpolitik der letzten Jahre (z. B. bei der ukrainischen Revolution) einreiht: Georgien. Erstens wird sich in Georgien selbst die Westintegration viel leichter begründen lassen, wenn sich Russland so deutlich als Imperialist zu erkennen gibt; und zweitens wird die georgische Regierung mit derartigen Ereignissen im Rücken bei EU, NATO und USA offene Türen einrennen.

Es ist eben immer das gleiche, offenbar ist bei der russischen Regierung seit dem Ende der Sowjetunion ein derartiges Minderwertigkeitsgefühl präsent, dass man sofort rot sieht, wenn man auch nur den Namen einer anderen ehemaligen Sowjetrepublik hört. Russland hätte die Chance, sich hier als natürliche und angesehene Führungsmacht zu profilieren, aber nicht, indem es bei den Beziehungen zwischen diesen Staaten längst vergangene Strukturen wiederherzustellen sucht, sondern indem es sich an die Spitze des Wandels stellt und sich als Pionier der neuen Zeit präsentiert.
(Das beziehe ich aber ausdrücklich auf die politische, und nicht auf die wirtschaftliche Entwicklung.)

Klug ist das nicht, so wie es läuft.
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S1lv3R



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BeitragVerfasst am: 08.10.2006, 21:27    Titel:

Tja, leider kann ich deinem abschließenden Resümee nur zustimmen, klug ist das wirklich in keiner Art und Weise.
Aber ob Georgiens Vorgehen in Bezug auf den Eintritt in die NATO wirklich fragwürdig ist?
Es ist eigentlich ihr gutes Recht sich an den Westen zu binden, wenn sie dort bessere wirtschaftliche Möglichkeiten sehen. Schließlich sind sie nicht an Russland gebunden und gehörten auch zu Sowjetzeiten nicht unbedingt zu Russlands Lieblingen.

Putin scheint das allerdings noch nicht genug zu sein, ich Frage mich echt welchen Zweck er damit verfolgt ... Shocked
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5979984_REF_NAV_BAB,00.html
So kann ich dir allerdings nur beistimmen.
Klug ist das nicht, so wie es läuft!
Russland hat in der Vergangenheit wirklich viele Chancen verpasst sich als Führer in der Region zu profilieren. Das Verrückte ist ja auch, das Russland sich gleichzeitig selber versucht an den Westen zu binden. Der Staatliche Gas-Konzern Gazprom wird Hauptsponsor bei Schalke und versucht damit den ersten Schritt zu tun sich in den deutschen Gas-Handel einzukaufen etc. (gibt sicher zahlreiche Beispiele, dies nur als eines), nebenbei versucht man aber zu verhindern das sich die anderen ehemaligen Sowjet-Staaten an den Westen binden.
Demnach könnte diese ganze Sache der Wettlauf des Ostens um die wirtschaftliche Bindung an den Westen sein, der von Russland mit unfairen Mitteln betrieben wird. Das ist allerdings nur eine verzweifelte Theorie von mir, um Russlands wirres Verhalten irgendwie in logische Bahnen einzuordnen ...
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Thomas



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BeitragVerfasst am: 10.10.2006, 00:27    Titel:

Natürlich ist es Georgiens gutes Recht, sich an den Westen oder an die NATO zu binden, nur bin ich persönlich dagegen. Wink

Am besten wäre es doch, gerade im Kaukasus möglichst zu vermeiden, dass zusätzliche Konflikte entstehen, und die sind nun mal hausgemacht, wenn man Maßnahmen ergreift, von denen man weiß, dass sie von Moskau als Brüskierung aufgefasst werden. Aber irgendwie kann ich schon auch nachvollziehen, dass da Probleme zum Tragen kommen, die in der jahrhundertelangen Herrschaft Russlands über diese Völker begründet sind - das ist ein fruchtbarer Boden für nationalistische und antirussische Strömungen dort, die wiederum in Russland das gleiche hervorrufen.
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terratec



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BeitragVerfasst am: 26.10.2006, 20:40    Titel:

Vor kurzem gab es einen kleinen Artikel dazu im Spiegel. Der russische Generalstab bereitet sich auf eine Militärische Auseinandersetzung mit Georgien vor, da der Georgische Präsident die abtrünnigen Republiken an sich bringen will. Die NATO hat dafür 12 000 der 26 000 Soldaten der Georgischen Armee ausgebildet. Auch kauft Georgien intensiv Waffen ein. Z.B. über die Ukraine. Putin meinte dazu, dass in diesen Republiken etwa 95 % der Bevölkerung die Russische Staatsbürgerschaft trägt. Werden diese Menschen angegriffen wird Russland seine Bürger verteidigen. Auch wenn diese im Ausland sind.
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Thomas



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BeitragVerfasst am: 27.10.2006, 18:55    Titel:

Das könnte sich zu einem Lackmus-Test für die westliche Prinzipientreue entwickeln. EU, UNO und NATO pochen ja bei jkeder Gelegenheit, z. B. auf dem Balkan, auf das Recht der nationalen Selbstbestimmung. Ausgehend davon müssten sie sich dann eigentlich dafür einsetzen, dass eine Lösung gefunden wird, die den Interessen der mehrheitlich russischen Bevölkerung in diesen Gebieten Georgiens gerecht wird.
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terratec



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BeitragVerfasst am: 27.10.2006, 22:38    Titel:

Soweit ich das mitbekommen habe hat die NATO, als Reaktion auf Georgische und Russische Kriegsvorbereitungen, das Aufnahmeangebot für Georgien zurückgezogen. Das ist mal eine erfreuliche Nachricht. Mindestens für Russland.
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v.putin



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BeitragVerfasst am: 09.11.2006, 14:30    Titel:

Wäre es theoretisch möglich in allen ehemaligen Sowjetrepubliken Wahlen durchzuführen in denen die Teilrepubliken (wie Transnistrien) entscheiden können zu welchem Staat sie gehören wollen?

Das ganze sllte aber von der UNO und den meisten Ländern annerkannt werden.

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Bleistiefel



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BeitragVerfasst am: 13.03.2008, 18:59    Titel:

Hallo v.putin,

Zitat:
Wäre es theoretisch möglich in allen ehemaligen Sowjetrepubliken Wahlen durchzuführen in denen die Teilrepubliken (wie Transnistrien) entscheiden können zu welchem Staat sie gehören wollen?

Das ganze sollte aber von der UNO und den meisten Ländern annerkannt werden.


Das ist durchaus möglich. Solche Referenden wurden schon in Montenegro und Osttimor durchgeführt und werden noch im Südsudan und Kurdistan durchgeführt werden. Aber bis jetzt gibt es keine Bestrebungen dazu in der GUS.

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Thomas



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BeitragVerfasst am: 03.04.2008, 00:30    Titel:

Doch, es gab z. B. im abtrünnigen Transnistrien ein solches Referendum, das international nicht anerkannt wurde. Die internationale "Minsker Gruppe", die sich mit dem Konflikt um Nagornyj-Karabach befasst, plant außerdem ein Referendum über die Zugehörigkeit der Provinz zu Armenien oder Azerbaidshan. Vor kurzem wurden die zugehörigen Staaten jedoch in der UNO damit überstimmt, dass es sich dabei ohne wenn und aber um Territorium Azerbaidshans handelt. Und dann gibt es ja noch die abtrünnigen Teile Georgiens, für die Russland Abstimmungspläne hegt.

Bestrebungen nach Referenden gibt es also genug. Nur die Haltung anderer Staaten ist selten so aufgeschlossen wie im Falle Kosovo und Montenegro...
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Bleistiefel



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BeitragVerfasst am: 11.04.2008, 01:18    Titel:

Hallo Thomas,

Zitat:
Doch, es gab z. B. im abtrünnigen Transnistrien ein solches Referendum, das international nicht anerkannt wurde. Die internationale "Minsker Gruppe", die sich mit dem Konflikt um Nagornyj-Karabach befasst, plant außerdem ein Referendum über die Zugehörigkeit der Provinz zu Armenien oder Azerbaidshan. Vor kurzem wurden die zugehörigen Staaten jedoch in der UNO damit überstimmt, dass es sich dabei ohne wenn und aber um Territorium Azerbaidshans handelt. Und dann gibt es ja noch die abtrünnigen Teile Georgiens, für die Russland Abstimmungspläne hegt.

Bestrebungen nach Referenden gibt es also genug. Nur die Haltung anderer Staaten ist selten so aufgeschlossen wie im Falle Kosovo und Montenegro...


Ok, Bestrebungen nach Referenden gibt es innerhalb der GUS also genug. Nur haben sie nicht das Medienecho wie in anderen Teilen Europas oder der Welt. Soweit ich weiß, herrscht zwischen Armenien und Aserbaidschan immer noch ein Krieg um die Region Berg-Karabach. Der ist wohl nach der UNO von vornherein sinnlos gewesen. Die versuchten Abspaltungen in Georgien behindern das Land bei einem schnellen Beitritt zur NATO, der von Bush in Bukarest gefordert wurde. Somit hat Russland in Georgien gleich Zwei Ziele erreicht: Die NATO rückt nicht in den Kaukasus vor und Georgien bleibt weiterhin geschwächt.

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Sashko



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BeitragVerfasst am: 19.06.2009, 20:28    Titel:

Interessant ist, dass auch nach langem Suchen im Forum ich nichts zum Krieg zwischen Georgien und Russland gefunden habe. Gerade so ein Thema gehört hier doch diskutiert.
Was war den passiert?

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